Verfasst von: Marc Marius Müller | Oktober 2, 2007

Konzert von “The Maggots” – Kopfnicken kann man dazu aber nicht

Am Samstagabend war ich mit Carlos noch spontan auf einem Konzert. Er hatte die Tage über imemr wieder versucht mich zu überzeugen, aber ich hatte nie so wirkliche Lust. Die Erklärung dafür ist folgende:

Seit meinen ersten Kontakten mit der Musikform HipHop / Rap (eigentlich ein Unterschied, aber lassen wir mal 5 grade sein) bin ich Fan dieser Musik. Ich höre zwar auch Reggae, Ska, Jazz, leichte House-Kost, Putumayo und ähnliche Latino-Musik und habe sogar japanische Tee-Musik und Acapella-CDs, aber was Konzerte angeht, halte ich mich eher bedeckt, was Ausflüge in andere Musiken betrifft. Ich mache die Tontechnik für einen Gospelchor, und bon daher bei den Konzerten anwesend um dort zu arbeiten. Als ich bei Acapella Kozerten war, dann weil wir mit unserem eigenen Chor dort als Vorgruppe waren oder ich auch dort spontan arbeiten musste.

Das Konzert zu dem Carlos mich schleppen wollte war von “The Maggots”. Eine schwedische Band, die sich selber dem Bereich Garage zuordnet (zumindest sagten sie das auf dem Konzert). Betitelt wurden sie als “die wildeste Band der Galaxie” und geben sich auf Fotos gerne Mal mit Ketten aus Knochen. Allerbeste Voraussetzungen dafür, dass es mir bei ihrem Konzert gefällt :-P

Nachdem ich mich diverse Male über den Tontechniker aufgeregt hatte, weil die Höhen viel zu gemein engestellt waren, so dass manche Klänge wirklich einfach nur weh taten, und weil es für einen derart kleinen Ort wie den RockClub viel zu laut war (nun gut, mein erstes Rock-Konzert) und er ständig übersteuerte und es Rückkopplungen gab… ertappte ich mich beim rhythmischen Mitwippen und leichten Hin und Her schwingen der Hüften, ähnlich wie es die anderen machten.

Am Ende lud mich Carlos noch auf ein Bier ein, mit den Worten, das hätte ich mir verdient. Wie es mir denn aber so gefallen hätte. Fazit:

Ok, man kann sich dazu bewegen. Stimmung war auch ok. Melodie, ja gabs manchmal auch. Aber:

Kopfnicken kann man dazu nicht.


Antworten

  1. Zeig mir eine ernstzunehmende Band aus deinem favorisierten Musikumfeld die durch die Bank weg in der Lage wäre live zu performen. Ohne Turntables, instrumental: authentisch. Da fallen mir nur verdammt wenige ein… (Roots, Beasties … )

    Kopfnicken ist eine abstrahierte Form vom rocken. Schlicht und weg aus dem Grunde da es eine auf das Kopfnicken beschränkte Form der rhytmischen Bewegung ist.

    Das kann auch jeder Wackeldackel. ;)

    Aber es freut mich das sie auch dem Weg zur besseren Seite der Macht gemacht haben.

    Achja und Rock ist dreckig. Wenn du den perfekten Sound haben willst dann geht zu Linkin Park und hör dir deren Scheibe auf dem linken Ohr übern iPod an und auf dem rechten ohr live. Da wirst nur minimale Unterschiede feststellen bei den Langweilern… unrockbar. Also Rock ist nicht gleich Rock.

    Livemusik ist wenn sie authentisch ist von mal zu mal anders… lebt von der Improvisation ( nicht nur im (Sprech)Gesang ) und auch vom Augenblick.

    Leider kann es sich nicht jede Band leisten den eigenen Tontechniker mitzuschleppen…

    Ein elektronisch erzeugter Bass von der Platte ist nur ein schlechtes Methadon im Vergleich zum handgezupften Heroin einer Bassgitarre, deren Hall sich in deine Magenkuhle gräbt.

    Zeig mir eine Sprechsgesangkapelle die dynamische Tempi in ihre Musik einbringt.

    Zeig mir instrumentale Improvisation.

    Zeig mir Gesang über mehr als nur eine Sprechsgesangs Oktave.

    Und gibt mir ne Doublebase, fussgetreten.

    Rap ist was für “Dichter und Denker”. Alles Andere ist Musik ;)

    Respekt verdienen all diejenigen Musiker die es schaffen die eng gestecken Pfade ihres Genres zu durchbrechen und wieder der Tradition in der Lage sind ihre Musik auch live instrumental zu performen. Und das trifft nicht nur auf das Genre der Sprechgesangsmusik zu, sondern auch auf Bands aus dem elektronischen Umfeld. Auf jedwede Art der Musik.

    Je mehr Elektronik auf der Bühne steht, je mehr Knöpfe der “Musiker” im Ohr hat, desto unglaubwürdiger wird er.

    Jede Desertrock Kapelle hat mehr Flow als jeder Aggrodepp.

    P.s.: Nicht soo ernst nehmen. Über den Tellerand schielen reicht. Und in Riga ist es gerade langweilig ;)

  2. FK Allstars, The Coup, The Roots, Beastie Boys, Fettes Brot, Fantastische Vier, Jay-Z (siehe MTV Unplugged), Kanye West (siehe Konzert Birmingham Road)…. um nur einige Beispiele zu nennen, die auch mit Band bzw in letzteren beiden Fällen mit Orchester arbeiten können, und dabei sowohl melodisch als auch inhaltlich stark improvisieren können.

    Ich habe nichts gegen dreckige Musik. Bestimtme Richtungen leben von sog. Blue-Notes (ja richtig assoziiert, hat was mit Blues zu tun), die rein musiktheoretisch auch nicht 100%ig in die Tonart passen. Ein HipHop Track der nur deshalb improvisiert ist, weil der Protagonist den Text vergisst, kein Thema. Jazzimprovisation, immer gerne. Aber wenn die soundqualität in eine Richtung abdriftet, dass die Höhen dir Ohrenschmerzen bereiten, weil einfach total übersteuert ist, dann hat das nichts mit Rock’n roll zu tun, sondern mit schierer Unfähigkeit. Und das sage ich quasi aus Berufsethos, weil ich da selber auch immer drauf achten muss, wenn ich abmische. Dafür wird der Mensch am Pult bezahlt.

    Ach übrigens, um mal dynamische Tempi anzusprechen: Curse’ “Rap” auf Innere Sicherheit. Normales Tempo, Double-Time, halbes Tempo, 3 Rhythmus- und Melodiewechsel in nur einem Stück. Jepp, das sollte reichen.

    Nicht böse sein, aber wenn schon, dann richtig ;)

  3. Aber kann Curse auch live das Tempi improvisiert ändern ? Oder hat er sich strikt an das vordefinierte Tempi von den Turntables zu orientieren ?

    Beastie Boys, The Roots kann ich klar bestätigen. Diese Herrschaften schaffen es auch live zu performen, sie nehmen gar die Instrumente selbst in die Hand.

    Bei Fanta 4 und auch bei den Broten bewerkstelligen die hauptsächlich zusätzlich engagierte Konzertmusiker.

    Alle vier kann ich aufgrund gesammelter Liveerlebnisse qualitativ beurteilen. Die Beasties und die Wurzeln haben es defintiv drauf.

    Die Brote rocken auch, die Fantas weniger, da sie leider anfangen zu rosten. Die Unplugged Konzertreihe ist aus meiner Sicht ihr musikalischer Höhepunkt gewesen. Ich erinnere mich gerne an das Konzert im Trierer Amphietheater.

    Und was ich mit dreckig meinte – das ging nicht in Richtung verhunzter Abmischung, sondern um die Abweichung vom Song wie er auf CD gepresst wurde. Heutzutage leider meist viel zu verschnörkelt und überproduziert.

    Dort hat der Sprechgesang den unglaublichen Nachteil das die meisten Protagonisten nicht selber Hand an die Instrumente legen sondern legen lassen. Dieses Vorurteil zu wiederlegen schaffen nur wenige Bands.

    4 Musiker die ihr Instrument beherrschen können individuell auf den Gesang reagieren. Ohne Click-Tracks, ohne In Ear Monitoring, ohne Backing Tapes. Ohne all kleinen technischen Helferlein.

    Dadurch ist jede neue Show automatisch anders als die letzte und so sollte prinzipiell jede musikalische Darbeitung sein.

    Und das gilt auch für viele Rockgrößen.

    Alles andere ist Playback. :P

  4. Ok, das mit dem dreckig das mit dem dreckig akzeptier ich. Daher ja auch meine Ausführung, dass improvisiertes bei Konzerten bei mir immer willkommen ist.

    Es gab gerade neulich eine interessante Diskusion darüber, dass HipHop im Allgemeinen heutzutage total überproduziert ist. Da wird jeder Atmer mit einem Adlib (den Reim nochmal doppelt hinterher gerappt) oder einem Zwischenruf übertönt, Reime betont durch das Übereinanderlegen zweier Gesangsspuren, etc.

    Viele fordern daher die Rückkehr zum sog. “One-Take”, einmal in einem Zug alles einrappen / einspielen. Wenns nicht klappt, ok, dann halt nochmal. Aber die erste Spur löschen. Auf jeden Fall kein Zusammenpanschen von Spuren mehr.

    Was die Fantas angeht muss ich was das Nachlassen angeht leider unbedingt zustimmen. Was Instrumente angeht muss ich noch kurz hinzufügen, dass Rocksänger auch nicht immer selber Gitarre spielen. Also ob die immer feste Band im Hintergrund die Instrumente einspielt und der Typ singt oder ein paar angeheuerte Musiker und ein Rapper singt / rappt, läuft auf etwas sehr ähnliches hinaus.
    Natürlich ist es in der Rockmusik eher üblich, dass auch Frontmänner / -frauen selbst zum Instrument greifen, aber auszuschließen ist dies in der HipHop Kategorie nicht. Nur das HipHop eben nicht unbedingt Musik mit klassicher (nicht im Sinne von Klassik) Instrumentierung ist, sondern eben mit Turntables. Jeder DJ, der auch gleichzeitig rappen kann, jeder MC der DJing beherrscht könnte daher im Kontext HipHop als Instrumentalist gesehen werden.
    Beispiele hierfür: Jan Delay, Denyo, Samy Deluxe (allesamt eigentlich Rapper, die auch auflegen und mit dem Plattenteller umgehen können) oder eben Leute wie Jazzy Jeff, Biz Markie oder gar noch ältere Ikonen aus den Anfängen, die eigentlich DJs sind / waren, und auch rappend in Erscheinung treten.

    Für Rapper die selber ihre Instrumentale erzeugen seien mal genannt Bushido (ja, produziert selber), Azad, Max Herre, Beginner, Kanye West, Pharrel Williams, Timbaland (letztere beiden ja ursprünglich und hauptsächlich Produzenten).

    Und zur Tempoproblematik: Ein Plattenspieler kan übrigens auch gepitcht werden, also langsamer oder schneller spielen. Hört man zwar auch an der Tonhöhe, aber die technische Möglichkeit ist da.

  5. Nun den Vergleich einen DJ als Instrumentalist zu bezeichen muss ich für meine instrumentale Auffassung kategorisch verneinen, da letztendlich die Tonspur auf dem Vinyl Grundvorraussetzung für die Tongebung ist, diese muss vorproduziert werden.

    In dem Sinne ist das Vinyl das klanggebende Medium und nicht der Plattenspieler, der dieses manipuliert wieder geben kann. Gitarren zu verzerren ist nun auch keine sonderliche Kunst. Es ist ein Stilmittel, welches man gezielt einsetzen kann. Im Falle einer Gitarre muss man das Instrument und dessen Tongebung beherrschen, im anderen Falle übernimmt dies das Vinyl und man sorgt eher für eine Soundcollage.

    Das dies eben auch eine musikalische Kunstform sein kann und ein grundlegendes Verständnis von Musik erfordert steht ausser Frage, aber es ist halt kein Instrument sondern eine musikalische Reinterpretation.

    Letztendlich ist für meine musikalische Auffassung eben gerade dies ein Kritikpunkt – die Musik die ich höre muss live authentisch präsentierbar sein. Ohne ein Zwischenmedium, ohne einen Zwischenspeicher wie dem Datenträger der Vinyl.

    Und das es geht belegen ja die Vorbilder Roots, Beasties und einige andere.

    Wobei man natürlich auch einige Größen aus dem Bereich der grenzüberschreitenden, aber weniger populären Musik erwähnen muss, die sich auch der üblichen Stilmittel von Rock oder der Gesangsform des Raps bedienen. Gerade dort wird man seltenst ein turntable finden. Auch das Sampling wird in diesen Bereich weniger stark verwandt.

    Letztendlich sind alles Formen der Musik, das steht ausser Frage.

    Um auf die Eingangsintention zurück zu kommen. Es lohnt sich die Barrieren der Musik Kategorien abzulegen und sich vorbehaltlos den Konsum verschiedenartiger Musik in Liveform hinzugeben.

    Wenn ich lese “Kopfnicken kann man dazu nicht” denke ich eher an eine festgefahrene Musikeinstellung die letztendlich in ihren eigenen Bahnen und Traditionen gebunden ist, keine Neuerfindung zulässt und somit letztendlich keine neuen Einflüsse erhält.

    Eins haben eingefleischte HipHop und auch Heavy Metal Fans gemeinsam, eine hanebüchene Intoleranz gegenüber anderer Musikformen. Für meine Begriffe ist das auf Dauer langweilig.

  6. Also nachdem ich eine Zeit lang Stammgast bei den Sessions im Fiets war, wo überwiegend Jazz, Blues und eher folkiges gespielt wird würde ich mal behaupten, dass ich mich schon ne Ecke weit weg von meinem Dunstkreis bewegt habe. Ebenso Church People Konzerte, Gospelchor, oder ähnliches.

    Was mich an der Rockmusik häufig stört ist dieses unnötig aggressive. Wenn ich was plumpes aggressives hören will könnte ich Aggro anmachen und das tu ich schließlich auch nicht. Ich widme mich innerhalb meiner Musik auch eher den Vertretern, die a) was zu sagen haben (das ist MIR imernoch das allerwichtigste) und b) musikalisch interessant sind im Sinne von einem gewissen Abwechslungsreichtum.

    Mit diesem Abwechslungsreichtum meine ich nicht, dass jedes Mal Genregrenzen überschritten werden müssen oder ich eben zig Tempiwechsel etc haben will. Es Reicht schon das Beispiel DJ Premier. Er ist berühmt für seine 2taktigen Loopphrasen. Aber die Klänge die er verwendet sind meist so organisch (z.B. Rhodes Sounds), dass sie einfach eine gewisse Wärme innehaben, die den ausproduzierten Plastikprodukten Lichtjahre voraus ist. Und die Platikprodukte gibt es eben leider in allen Richtungen, auch bei HipHop oder Rock.

    Und dieses grenzenlose hingeben der Musik ist ja schön und gut. Für mich ist Musik allerdings immernoch ein ganzheitliches Erlebnis. Ich will die Texte mögen, die Musik, das was ich damit assoziiere, kurz das Gesamtpaket muss stimmen. Das hab ich bei einigen Musikstilen, bei einigen halt nicht.

    Und alles zu mögen ist nunmal eine krampf- und krankhafte Attitüde, die aus der Bewegung der Alternativen entspringt, erstmal gegen alles etablierte zu sein und im Umkehrschluss irgendwie zu glauben scheint alles nicht etablierte gut finden zu müssen. Und derartig platte schwarz-weiß Malerei wollen wir ja nicht anfangen…

  7. Wer sagt denn das man zwanghaft alles mögen muss.

    Meine musikalische Attitüde beschränkt sich darauf zunächst für mich auszuloten welcher Act live überzeugend sein könnte, welcher Konzertbesuch lohnenswert sein könnte.

    Die Natur der Sache bedingt dabei, dass aufgrund einer Beschränkung an lokalen Konzertangebot auch bestimmte Grenzen überschritten werden.

    Rockmusik muss in keiner Art und Weise immer aggressiv sein, Rockmusik ist ein Oberbegriff, der eine weite Bandbreite an musikalischen Richtungen zusammenfasst. Diese Bezeichnung ist ohnehin relativ.

    Genauso wie es unpassend wäre die neuste Platte der beasties boys als HipHop oder Rap zu beurteilen. Das ist Funk. Oder älteres Material der Beasties welches definitiv mit dem Punkrock anbandelt. The Roots – Thinks Fall Apart ist auch kein wirklicher HipHop, sondern ein stark soullastiges Album auf dem gerappt wird. Spätestens an dieser Stelle sind wir am genreübergreifenden Punkt, dessen Intonierung quasi flüssig von statten geht.

    Erst ein Act, eine Band der/die live musikalisch überzeugen kann findet bei mir weiteres Gehör.

    Simples Grundrezept : Ist die Platte okay und man kann sie sich anhören und finde ich Parts mit denen man sich identifizieren könnte, dann finde ich den Weg zu einem Konzert. Wenn mich dann der Liveact um den Faktor 2 mehr “flasht”, dann bin ich dort richtig und überzeugt.

    Die Bandbreite der von mir besuchten Konzerte erstreckt sich dabei über lokale Unbekanntheiten, nationale Größen bis hin zu den Größen des internationalen Musikbusiness. Ich habe nun einige Bands in ihrer Karriere verfolgen könne, so stand ich bspw. 1999 in einem Zirkuszelt auf dem Hurricane und hörte erstmalig Muse vor vielleicht 500 Leuten, die ich zuvor nur von einer Single aus dem extrem konsumierten Musikfernsehen in der Form von Viva zwei grob kannte. Das sie heutzutage das Wemblystadion an zwei hintereinander folgenden Abenden zum Ausverkauf bringen ist damals schon anhand einer gewissen Art und Weise absehbar gewesen, aufgrund der Bühnenqualität und musikalischer Virtuosität im Einsatz von konventionellen Rockinstrumententen ergänzt durch simple klassische Instrumentalparts.

    Und wohlgemerkt, mein erstmaliges besuchen eines Musikfestival begründete sich am Interesse des Konzertes der Fanta 4. Über das Erlebnis Musik aus dem Bereich des Rocks live direkter und authentischer Erfahren zu können habe ich mich zunehmenst vom HipHop / Rap verabschiedt, an den ich durch Crossover Kollaborationen geraten war, und mein Interesse an live performbarer Musik entwickelt. Und ich lege mich nicht auf den Oberbegriff Rock fest.

    Mit Verlaub, folgendes ist kein persönlicher Angriff sonderen meine persönliche Sichtweise.

    Ein ehemaliger Mitbewohner von mir hat einen ähnlichen Background was Tontechnik, Musikeigenproduktion (klassische Ausbildung) betrifft. Letztendlich bewegt er sich grob gesagt auf den festgeahrenen Bahnen des Nordic Metals, einhergehend eine absolute Audiophilibität was die Aufdröselung bestimmter Drumparts der Doublebase betrifft.

    Diese Tendenz kann man auch im HipHop / Rap auf die Beurteilung eines bestimmen Rhymes übertragen.

    Einerseits war mein ExMitbewohner ein großer Fan des Dave Lombardos, aber soweit es an Kollaborationen dieses technisch nahezu perfekten Schlagzeugers mit anderen Musikern ging, dort endete die Toleranz spätestens bei der Kollabo von Dave Lombardo mit DJ Spooky in der Form der Platte “Drums of Death”.

    Konzertbesuche waren in keinster Art und Weise sein Ding, er ging nur ein einziges Mal in 2 1/2 Jahren die ich mit ihm zusammenwohnte auf ein Konzert. Aber auch nur weil er diesen Musiker vergötterte.

    Ansonsten saß er daheim und hörte die Platten seiner Lieblingsbands, völlig klanggewaltig überproduzierter Metal.

    Wie auch immer. Konzerte aus dem HipHop / Rap bereich nationaler wie auch internationaler Größen haben leider den Hang zur reinen Show und Bühneninszenierung ihrer selbst zu verkommen. Da sah man Fünf Sterne vor einer kleinen inszenierten Konzertrequisite in der Form einer Bar, oder überdimensionierte Skulls and Bones bei Cypress Hill. Aber kaum sowas wie eine Band.

    Da reicht dann auch der Konsum im Musikfernsehen oder von der Platte in der Disko.

    An der Stelle dieser Requisiten würde ich lieber echte Musiker sehen die sich mit Hingabe ihrem Instrument widmen. Wie es die Beasties tun, wie es die Roots praktizieren.

    Klar, die undefinierbaren Deichkind haben auch eine sehr unterhaltsame Bühnenshow mit Trampolin und LKW Reifen und machen einfach nur Quatsch, die Show animiert zum mitgehen. Doch erfährt man nicht die Musik sondern deren Inszenierung. Das ist eine andere Art von Livequalität, das ist mehr Entertainment.

    Quasi eine durchschnittliche Dame mit Allerweltsgesicht die sich aufbretzeln muss, die Haare blondiert und derartige Dinge tut wofür der Gebrauchtwagenhändler in den Knast gehen müsste.

    Und steht da andererseits alleine ein MC mit seinem DJ im Hintergrund dann fehlt mir einfach was.

    Musik definiert sich mir in der überzeugenden Art und Weise der Präsentation und direkter Klangerzeugung, nicht durch die Inszenierung.

  8. Überzeugende Art und Weise der Präsentation ist allerdings etwas, das Hand in Hand mit Inszenierung einhergeht. Die von dir beschriebene andere Art von Livequalität, die des Entertainments. Ich würde die nicht ausschließen wollen. Daher sagte ich ja vorher, ich mag Musik aufgrund ihres Gesamtpakets.

    Natürlich wünscht man sich mitunter (bzw ich mir im HipHop täglich) den Wert vom Image wiederm ehr in Richtung Musik zu verschieben. Die Musik muss immer im Vordergrund bleiben. Aber letztendlich geht es darum, dass auch die Präsentation stimmen muss.

    Ein Beispiel: Ich bin wirklich kein großer Freund mehr von Klassik, seit wir sie im Unterricht quasi sezieren mussten. Früher hatte ich sogar die Zauberflöte von Mozart auf Kassette und es war das, was ich am meisten gehört habe. Und das obwohl meine eltern mich nicht zum Klavierunterricht geschickt haben oder ähnliches. Ich war vor anderthalb Jahren mit meiner damaligen Freundin beim Konzert des venezolanischen Jugendphilharmonieorchesters. Eigentlich, weil ich Venezuela-Fan bin durch meinen aufenthalt dort. Aber wie diese Leute mitwippen, wenn sie einen flotten Walzer spielen, wie die Bläser ihre Instrumente hin und her schwingen, das macht einfach mehr her, als wen da 50 Personen im Frack sitzen als hätten sie ihre Posaune verschluckt.

    Ein Livekonzert ist eben auch immer Entertainment und eine ganzheitliche Sinneserfahrung. Sonst kann ich mir auch eine Live-CD kaufen. Da hab ich auch die klanglichen Aspekte. Ich weiß, dass du mir darin widersprechen wirst, aber es ist einfach so. Man geht auf Konzerte dieses Knisterns in der Luft wegen. Die Stimmung, das Gefühl, die ganzheitliche Präsentation.

    Ich bin mittlerweile wirklich Fan des Gospelchors für den ich arbeite. Und wir hatten schon Konzerte mit Chören die klanglich ähnlich gut, oder besser waren. Aber wenn die 40 Church People anfangen lachend zu klatschen und sich zu bewegen etc, dann kriege ich Gänsehaut. Wenn dagegen ein anderer Gospelchor mit einigen klassisch ausgebildeten Solisten und einem überragenden Chorklang die Zeit ihres Konzertes über selten mal lächeln, dann ist das mit geschlossenen Augen zwar nett, aber dieses besondere Gefühl geht dabei vollkommen verloren.

    Fazit dieser Ausführung ist, um es nochmal zu wiederholen, dass es eben nicht nur auf die klangliche Präsentation ankomt, sondern auf das Gesamtbild. Natürlich macht ein DJ und ein MC weniger her als vielleicht eine Liveband. Aber wenn er sich sympatisch zu präsentieren weiß, die Überleitungen gut moderiert, dann ist es das auf jeden Fall mehr wert, als so manche instrumentierte Band. Und warum? Weil die Verpackung eben auch stimmt.

    Denn genau das macht den Unterschied zwischen Musik aus der Anlage, die man wirklich nur hören will, und einem Konzertbesuch, wo man alles wahrnehmen kann und will: die rauchige Luft des kleinen Rockclubs, die vorfreudige Anspannung der Leute, die energie, wenn plötzlich alles um einen herum anfängt zu springen oder zu tanzen…

    Und ich für meinen Teil habe das bisher auf HipHop Konzerten so erlebt. Da waren diese Faktoren gegeben. Auch bei einigen Auftritten im De Fiets war das so, und das war wie schonmal erwähnt eher jazzige oder bluesige Musik.

    Ich will da auch keine bewusste Grenze zwischen Genres ziehen, aber ich glaube mein Ansatz Musik live zu konsumieren ist da ein anderer.

  9. Du hast da ggf. etwas fehlverstanden.

    Mein Erlebnis auf diversen HipHop / Rap lastigen Konzerten lässt sich in derart manifestieren, dass nunmal bei dieser Form der Musik der Sprechgesang im absoluten Vordergrund steht, ohne ihn geht es nunmal nicht.

    Die Samples und alles weitere stehen hinten an und dienen der Taktgebung, der performende Wortakrobat steht über allen Dingen und bringt seine Message an das Publikum. Wenn man es ein wenig genauer nimmt als norml üblich.
    Soweit, so gut. Mein Ansatz Musik live zu konsomieren resultiert weniger auf dem Interesse an der Botschaft oder der Performance des Sängers – auch in der Rockmusik wird der Stellenwert des Sängers in gewisser Art und Weise überbewertet. Er ist die Stimme, aber ohne die Begleitung seiner Instrumentalisten geht es nicht mit dem Gesang.

    Nun ist für mich ein passendes Konzerterlebnis nun dieses wo nicht nur der Sänger im Mittelgrund steht – ob nun Sprechgesang oder andersartiger stimmliche Intonation – sondern eben auch die Band. Ich will den Drummer begutachten wie er auf die Felle kloppt, den Gitarristen wie er die Seiten zupft auch nachvollziehen können was er da gerade tut. Ich möchte während des performens sehen wie sich der jeweilige Musiker mit seinem Instrument beschäftigt, den Blick über die Bühne wandern lassen gemessen an dem im Vordergrund stehenden musikalischen Part.

    An diesem Geschehen, der Liveperformance möchte ich teilhaben. Ich möchte sehen wie der Sänger sich in seinen Gesangspassagen reinhängt und seine Musik lebt und ggf. mit dem Arsch wackelt. Wie der Drummer seine Felle malträtiert oder einfach nur nachvollziehen wie er die Snare schlägt oder ganz einfach nur einen Depp in der Ecke der die auf Platte eingespielte Triangel auch wirklich nicht nur musikalisch irgendwo erzeugt, sondern auch auf der Bühne greifbar visualisiert . Gelebte Musik. Mir reicht es nicht einen MC ins Mikro sprechen zu sehen, oder den DJ an den Turntables nachzuvollziehen.

    Analog zu meinem Vergleich der aufgebrezelten Blondierten. Ohne Maskara oder Haarekämmen geht es natürlich nicht. Die Frisur sollte auch sitzen, es geht weniger um den generellen Einsatz der Schönmalerei sondern um den dezenten und nicht übertriebenden Einsatz.

    Dementsprechend gehe ich vollkommen konform zu der Aussage das die Musik auch ein Stimmungsträger ist – bei dem mitklatschen und lachen oder einfach nur Hüfteschwingen eine völlig natürliche Art des Ausdrucks ist die Musik nicht nur zu intonieren, sondern auch zu präsentieren.

  10. Gut, insofern mag ich das falsch verstanden haben in Hinsichtauf meine Reaktion. Meine Meinung bleibt jedoch eine ähnliche.

    Natürlich ist es wichtig, dass ein Musiker – egal welchen Genres oder welchen Instruments – die gemachte Musik visuell auch zum ausdruck bringt. Nicht umsonst sagt man oft, dassein Pianist nur so gut ist wie sein Ausdruck, nicht wie seine Fingerfertigkeit. Daher auch das Beispiel mit dem Orchester, wo die Bläser sich bewegten, etc. Und es macht wie gesagt den Teil der Inszenierung aus, den ich bei einem Live-Erlebnis nicht ausklammern möchte, im Gegenteil, der für mich das Liveerlebnis maßgeblich vom Musikkonsum zuhause unterscheidet.

    Aber ich weigere mich einfach hinzunehmen, dass man das auf Instrumentalisten im klassischen sinne beschränken darf. Wenn ein DJ auf einmal mit dem Ellbogen scratcht, sich um seine eigene Achse dreht, ist das ähnlich wie wenn ein Gitarrist mit den Zähnen spielt. Und wenn es um das reine Handwerk geht, also zu sehen wie Instrumente gespielt werden beeindruckt mich die Fingerfertigkeit eines Gitarristen oder Pianisten nicht mehr als die Schnelligkeit eines DJs wenn er mit Crossfader Cuts und Breaks einstreut.

    Diese strikte Grenzziehung widerspricht da der ansonsten in den Kommentaren so oft hochgehaltenen Toleranzforderung. Ansonsten ist die Diskrepanz zwischen unseren Ansätzen in der Tat angenehm gering.

  11. Jungs…Sprachlos in Istanbul!

  12. Nur noch 6 Beitraege und es ist ne Diplomarbeit…
    :D Müsstet Ihr Euch nur noch einigen wer sich das anrechnen laesst?!

  13. Ich bleibe bei der Frage ob nun ein Turntables ein Instrument ist borniert bei der Argumentation dass zur Tongebung ein kontinuierliches Medium, die Vinyl erforderlich ist.

    Demnach ist und bleibt das Turntable ein Wiedergabegerät das es lediglich über ein Mischpult ermöglicht zeitabhängig Effekte gezielt einzusetzen.

    Das Vinyl ist extrem zeitkritisch.

    Ein Mikrophon ist letztendlich auch kein Instrument sondern nur ein Aufnahmegerät welches stimmlich erzeugte Töne als Klanggebung benutzt.

    Ein DJ kann dementsprechend, wie ich auch vorher schon argumentierte, lediglich live eine Soundcollage erstellen, aber nicht Musik zeitunkritisch und individuell generieren. Was eine Grundvorraussetzung für jedes Instrument ist, per Definition.

    In dem Sinne ist ein Livesampling per Computer eher ein Instrument als ein Turntable.

  14. “Ein Musikinstrument ist ein Gegenstand, der mit dem Ziel konstruiert oder verändert wurde, Musik zu erzeugen. Im Prinzip kann jeder Gegenstand, der Töne oder auch nur Geräusche hervorbringt, als Musikinstrument dienen, jedoch wird der Ausdruck normalerweise nur für solche Gegenstände verwendet, die zu diesem Zweck hergestellt oder verändert wurden. Manchmal wird auch die menschliche Stimme als Musikinstrument bezeichnet.” (Quelle Wikipedia)

    Im Sinne dieser Definition muss man bei Turntables ganz klar von einem Instrument sprechen. Es erzeugt den Klang über die Verwendung einer Nadel als Tonabnehmer. Rein theoretisch könnte man das mit dem Tonabnehmer einer elektrischen Gitarre vergleichen, wo die Saiten den Klang erzeugen, und der Tonabnehmer den Klang in ein verarbeitbares Format wandelt.

    Durch die Technik des Scratchens – auf die einzugehen mir hier unnötig erscheint – ist Vinyl in keinem Fall ein kontinuierliches Medium. Durch das Bewegen der Platte wird ein Hin- und Herspringen erlaubt, dass in seiner Struktur eher mit einem Hypertext verglichen werden kann als mit einem durchlaufenden Band sprich Kassette. Daher ist diese Argumentation wirklich nicht standhaft.

    In Bezug auf Gesang spricht man außerdem nicht vom Mikrofon als Instrument, sondern von der menschlichen Stimme. Inwiefern das Mikrofon als Instrument hier missverständlicherweise als Vergleich dienen soll ist mir daher auch nicht verständlich.

    Mit Verlaub, ich bekomme den Eindruck, das wenn hier jemand Grenzen zieht und diese stur und borniert vertritt, dann bin das nicht ich, auch wenn man mir das vielleicht ursprünglich aufgrund eines eher spaßig gemeinten Ausspruch bezüglich Kopfnickens zu Musik unterstellen könnte.

    Nichts für ungut.

  15. Nun ich wüßte nicht behauptet zu haben ein Mikrofon wäre ein Instrument. Vielmehr habe ich die Hypothese aufgestellt, dass wenn ein Turntable ein Instument wäre, dann müsste auch das Mikrophon ein Instrument sein.

    In dem Sinne reden wir anscheinend aneinander vorbei anstatt zu einem Dialog zu kommen… in dem Sinne ist mir meine Zeit dann doch zu kostbar.

  16. Ich bezog mich auf deinen Kommentar, den du direkt zuvor abgegeben hattest, in dem du sagtest “Ein Mikrophon ist letztendlich auch kein Instrument sondern nur ein Aufnahmegerät welches stimmlich erzeugte Töne als Klanggebung benutzt.”

    Wir kommen schon zu einem Dialog. Die Tatsache, dass wir bezüglich der Kategorisierung von Instrumenten eine andere Ansicht haben sollte da kein Grund für ein Scheitern sein. Ich wollte lediglich darauf hingewiesen haben, dass ich finde, dass deine recht strikte Grenzenziehung in diesem Bereich für mich auch nicht unbedingt von der zuvor zitierten Toleranz zeugt. Das war kein persönlicher Angriff sondern eher eine ernüchterte Feststellung.

  17. Puh, Grunddefinition von Musik: Auf- und Abbau von Spannung. Zur Beschreibung von Musik gehören primäre und sekundäre Parameter, die gut bei Wikipedia beschrieben sind. Dies könnte eine Grundlage für eine gute Diskussion über Wirkung von Musik auf Menschen sein kann – meine Examensarbeit war ja nur speziell über “Neue Musik” :-)

  18. Diese alte Phrase vom Auf- und Abbau von Spanung wollte ich nicht auch noch auffahren :) Aber präsent ist die bei mir immer, hatte ise ja mal in einen Song eingebaut.
    Vielleicht sollte ich eine Abschlussarbeit darüber schreiben, wie Musik auf Menschen wirken kann bzw wie man diese Wirkung mit den Mitteln digitaler Medien unterstützen kann – um die brücke zum Studium zu schlagen :)


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien