Nach der gründlichen Überlegung irgendwann im November und der damit verbundenen Planung standen seit längerem die Flugdaten für die zweite Etappe fest. Am 06.01.2008 um Punkt 6.00 Uhr sollte es von Hannover aus losgehen. Gebucht wurde auch dieser Flug mit freundlicher Unterstützung von A. Cappelmann (Antje C. zieht es eventuell vor anonym zu bleiben?)
Mit diesem Flugdatum gingen so einige Probleme einher. Zunächst war ich nach zweieinhalb Wochen zuhause gerade wieder halbwegs eingelebt und musste genau zum Höhepunkt quasi wieder zurückfliegen. Das ist aber etwas womit ich selbst nicht gerechnet hätte. Ich weiß jetzt aber endlich, wieso wir beim Schüleraustausch früher immer eingetrichtert bekommen haben, man solle sein Austauschjahr nicht unterbrechen, denn es würde einen nur unnötig durcheinander bringen. Kann ich nur bestätigen.
Zweites Problem war die Uhrzeit selbst. Um 6.00 Uhr ab Hannover zu fliegen bedeutet vor allem nämlich eins: wenig Schlaf! Um halb 3 Uhr hieß es aufstehen, um 3 ging es bereits los, nur damit um 4.30 Uhr dann auch pünktlich einchecken kann, denn Boarding war um 5.30 Uhr. An meiner Müdigkeit änderte auch der sehr leckere frische Orangensaft am Flughafenbistro nichts. Aber gefreut hab ich mich trotzdem
Der Abflug erfolgte sehr pünktlich und nach dem einen oder anderen Kapitel meines Buches gab es ein kleines Frühstück – bestehend aus dem gleichen Sandwich, dass ich auch auf den anderen beiden Flügen zwischen Hannover und Mallorca hatte. Da ich nun ja nichts wichtiges mehr verpassen konnte widmete ich mich meinem Schlafdefizit bis kurz vor der Landung. Da das Gepäck automatisch weiterreist suchte ich also einfach schnell mein nächstes Gate, in dem Fall C60, und wartete weiter, auch in diesem Fall größtenteils schlafend, obwohl um mich herum ein halber Kindergarten zu spielen scheinte.
Der Flug von Mallorca nach Santiago hatte dann etwas besonderes, genauer gesagt etwas besonders lautes. Wie schon im Flug zuvor hatte ich meine Sitzreihe komlett für mich allein und konnte somit zusätzliche Beinfreiheit improvisieren – Notausgang war leider bereits belegt. Aber dafür saß in der Reihe vor mir ein junges Ehepaar mit kleinem Kind. Prinzipiell hat man da ja nichts gegen, ich habe in der Regel nichtmal was dagegen wenn die Kinder mal schreien, aber dies war der absolute Härtefall. Die Eltern entsprachen, was ihre Erziehungsmaßnahmen angeht meinem Bild von PISA-Elite. Schrie das Kind wurde sehr sorgfältig darauf geachtet, dass man es in dem Gegenangriff noch übertönte. Das sah wie folgt aus:
Kind: “Wuäääh” (man stelle sich mittlere Lautstärke vor)
Mutter: “Kannst du jetzt nicht mal ruhig sein??” (das Ganze etwas lauter als das Kind)
Kind: “Wuuäääääh!!” (in signifikanter Weise mit stiegender Lautstärke)
Mutter: “ICH HAB GESAGT DU SOLLST MAL EIN PAAR MINUTEN DIE KLAPPE HALTEN!”
An diesem Punkt war die Lautstärke auf Diskoniveau, ob die Triebwerke schon liefen konnte ich leider nicht mehr feststellen, ich konnte es leider nicht hören.
Der Höhepunkt des Ganzen war, dass ich es trotzdem innerhalb weniger Minuten schaffte einzuschlafen. Als ich nach meinem Getränkewunsch gefragt wurde schaute mich die Stewardess sehr überrascht an, dass ich tatsächlich geschlafen und sie mich nun geweckt hatte. So kanns gehen.
Nach der pünktlichen Ankunft in Santiago – sogar einige Minuten vor der Zeit – dann mein persönliches Highlight: Meine Tasche, um die ich im Flug schon Blut und Wasser geschwitzt hatte, kam als eine der ersten heraus und ich konnte schnell den Flughafen verlassen. (Hierzu eine schriftliche Anmerkung von Antje C: “Ob du es glaubst oder nicht, aber so reibungslos sollte das auch ablaufen”) Vorsorglich nahm ich ein Taxi um einen eventuellen 12 Uhr Bus nach Ourense zu kriegen, stellte aber fest, dass erst um 14 Uhr der nächste Bus in meine Richtugn fuhr. Da es mit 12.00 Uhr für mich ideale Mittagszeit war – mein Frühstück war schließlich um halb 3 nachts, plus ein kleines Intermezzo mit dem Sandwich im Flieger – passte das auch so gut in mein Konzept und ich verbrachte eine Weile essend und Fußball schauend im Café des Busbahnhofs. Um 14 Uhr ging es pünktlich los und um 16 Uhr kam ich in Ourense an.
Nachdem ich eine Runde gestaunt hatte, dass bis hierhin ALLES reibungslos verlaufen war stellte ich leider fest, dass es vor Ort kein Taxi gab, und ich mit meiner 20 Kilo Reisetasche zum Wohnheim oder bis zum nächsten Taxi laufen musste. Glücklicherweise hatte ich das Gepäck diesmal von 30 auf knappe 20 Kilo reduziert – was mich selber unheimlich überrascht hat – und am Bahnhof fand ich dann auch das letzte Taxi und ließ mich den Rest trotzdem lieber fahren.
Ich hatte also eine nahezu komplett perfekte Anreise dieses Mal. Endlich