Am Donnerstag tat ich etwas, was ich viel eher hätte tun sollen: Ich bin mit Ozan, Arda und Tugba losgezogen. Während ich gerade verzweifelt ActionScript schrieb und mein Flash-Tetris beackerte kam von Ozan die Einladung doch mal loszuziehen. Ich hatte mit dieser Gruppe nie was unternommen, obwohl wir im selben Wohnheim wohnen, außer wenn halt die gesamte Erasmusgruppe unterwegs war. Ozan schlug vor, wir könnten uns hemmungslos betrinken, denn sie hätten an dem Tag ihr letztes Examen geschrieben. Ich klärte ihn auf, dass ich noch mitten in der Arbeit steckte, aber wohl trotzdem dabei sei.
Um Mitternacht ging es los zum Plaza de la Mercedes und es leerten sich die ersten Bierflaschen. Praktischerweise kamen sie in Form eines kompletten Liters, wurden imemr im Kreis herumgereicht und boten einen guten Einstieg. Als Arda mir offenbart, er habe bereits Absinth getrunken und sei schon gut dabei klingelten die Alarmglocken. Ich kündigte an, ihn dieses Mal nicht wieder ins Krankenhaus zu bringen. Er sagte, so schlimm sei es nun auch wieder nicht. Ich war kein Stück beruhigt.
Ozan steuerte uns, nach kurzer Pause um Döner zu holen, direkt zum “Chupitazo”. Der Laden ist bekannt für ganz gemeine Kurze. Zum Glück war dort absolut tote Hose und keiner wollte wirklich gerne bleiben. Dummerweise kante Ozan sofort eine Alternative. Das “Xordas” hat eine zwei Seiten lange Liste mit den absurdesten Kurzen die man sich vorstellen kann. Baileys mit Cointreau. Vodka, Baileys und roter Martini (Sangre, zu deutsch Blut). Ein Getränk hieß passenderweise “Tumbadios”, was soviel heißt wie “Stürzt Gott”, bzw. “Haut gott um” und allein den Inhalt auf der Karte zu lesen sorgte bei mir für Sodbrennen.
Obwohl ich mich zu großen Teilen auf die Tanzfläche flüchten konnte endete ich doch mi Ozan an der Bar. “Mein Freund, wir haben einiges nachzuholen.” Während wir uns so durch die Karte probierten wurde mir bewusst, dass ich mein Zuhause höchstens auf allen vieren erreichen würde. Das Tempo war enorm, die Mischung brisant und Ozan in Spendierlaune, der Barkeeper leider auch.
Unzählige Chupitos später – mein Kopf legte Einspruch ein, mein Bauch forderte Time Out – ging es Gott sei Dank ins Boulevard, um zu etwas mehr tanzbarer Musik ein wenig Bewegung zu bekommen. Es ging munter hin und her, die Stimmung schaukelte sich hoch und sogar Ozan bremste endlich das Tempo. Ein wenig alkoholfreie Flüsigkeit half dann auch, wieder eine gewisse Fitness zu verspüren.
Morgens um halb 5 endeten wir aber trotz allem im Face. Wieso ich unbedingt auf dem Podest tanzen musste weiß ich nicht, aber der kollektiven Aufforderung bin ich nachgekommen. Immerhin war ich so von der Bar entfernt.
Um 6, nachdem Arda und Tugba schon lange weg waren, Daniel sich auch heimlich verdrückt hatte und nur noch Kris, Ozan und ich übrig waren kam ausgerechnet Ozan dann auf die Idee, langsam nach Hause zu gehen.
Am Freitagmorgen zog ich dann die Schlussfolgerung: ein Glas, ein Schluck, ein Gefühl von Reue.
Als ich zusammenrechnete kam ich auf folgendes Ergebnis: viele Gläser, viele Schlucke, ein Gefühl von enormem Kopfschmerz.