Diese Woche waren meine ersten beiden Klausuren fällig. Am Dienstag ging es los mit Multimedia Systemen. In der Vorlesung ging es um historisches – wie entstand Multimedia, Memex, Xanadu und Co sei Dank – technisches – Kompressionsverfahren für Bilder, Videos etc. – und Anekdoten aus der Welt eines Mac-Fans.
Nachdem ich mich innerhalb von 2 Tagen durch 99 Seiten Script gelesen hatte – worauf ich sehr stolz war – und zum Glück nicht nur Spanisch verstanden hatte – oh man, ich lach mich tot … – dachte ich ursprünglich ich sei gut vorbereitet. Meine Laboraufgabe war ein Portfolio – Lenkewitz lässt grüßen -und kam ganz gut an. Also nur noch diese doofe Prüfung bestehen. 20 Fragen, Multiple Choice. Kann doch so schwer nicht sein, oder? Oh doch. Kann!
Man nehme eine völlig undurchsichtige Zeichenkette und gebe unten 4 Namen von Kompressionsverfahren an. Welches Verfahren produziert die obige Kette? Gute Frage dacht ich mir. Der Professor dachte vermutlich dasselbe, sonst hätte er sie nicht ins Examen gepackt. 25 Minuten später werden wir zur Abgabe gebeten, als Erasmusstudent bekomme ich das Angebot einen kleinen “Wörterbuchbonus” zu nutzen, da ich beim ewigen Wörter nachschlagen ja sicherlich unnötig Zeit verloren habe. Leicht verstimmt gebe ich aus Prinzip mit den anderen zusammen ab. Muss zugeben, ich war eh bereits fertig und hatte auch nur 2 Wörter wirklich nachschlagen müssen, aber nun gut.
Am Mittwoch ging es in die nächste Klausur. Hier ging es im Ansätze für künstliche Intelligenz, Suchalgorithmen, Logik und ganz viele Fachbegriffe. Dieses Script war viel kürzer, aber wesentlich unlogischer. Am Abend vor der Klausur dann ein entscheidender – viel zu später – Hinweis: “Sonst guck dir doch nochmal die gelösten Aufgaben an, die online stehen.” Wie bitte? Wieso erfahr ich davon erst um 23 Uhr, einen Tag vor Prüfung? Ich habe also noch bis 2 Uhr morgens Übungsaufgaben durchgeguckt und wurde nur unwesentlich schlauer.
Der nächste Tag ging auch schon gut los. Ungefähr die Hälfte der aufgerufenen Namen ist gar nicht erst zur Prüfung angetreten, was unsere Professorin sichtlich verstimmte. Dann wurden wir alle verteilt in dem riesigen Raum, der mich schon am Vortag eingeschüchtert hatte. Die Klausuren werden verteilt. Ich bekomme keine. “Ich hab dir extra eine Version auf Englisch gemacht. Aber ich hab vergessen sie auszudrucken. Kannst du eben hochlaufen, mir einen Kollegen schicken der hier aufpasst, damit ich hochgehen und drucken kann?” Im Dauerlauf in den 4. Stock, aus Nervosität und Konditionsmangel beinahe kollabiert und ihren Kollegen geschickt. Mit ihm unten gewartet, dass ich meine Klausur bekomme. Das waren wohl mit die längsten 5 Minuten die ich jemals erlebt habe.
6 Multiple Choice Fragen. 6 mal musste ich raten. 2 weitere Aufgaben. Beweisen sie folgendes Theorem mithilfe von Prädikatenlogik. Ok, könnte ich schaffen. Dann führen sie den Beweis nochmal anhand von semantischen Netzen durch. Was waren denn nochmal gleich semantische Netze? Lösen sie folgendes Problem aus der Robotik anhand von STRIPS, erstellen sie einen Ablaufplan anhand dessen das Problem gelöst werden kann. Was auch immer strippen mit Robotern zu tun hat.
Gefühlte 387,5 Schweißausbrüche, Stoßgebete, Hasstiraden und Ohnmachtsanfälle später ist die Klausur komplett. Ich habe auf alle Fragen eine Antwort gefunden, in der festen Überzeugung, dass sicherlich irgendwo auch was korrektes dabei ist. Weiter geht es mit Beten.
Und auch mit Lernen. Denn Mittwoch ist es wieder soweit. Videospiel Programmierung folgt. Das Examen soll zwar sehr einfach sein, aber ich quäle mich aktuell auch noch mit meiner in Flash zu programmierenden Tetris Variante herum. Sollte jemand sowas zufällig können, kann er sich gerne bei mir melden. Als Gegenleistung biete ich das Mitbringen von spanischem Schnaps oder ähnliches an.